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Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zu verschiedenen Themen aus Berlin und Polen.

Der Protestantismus und die Plagiatsaffäre - der polnische Blick
Der Fall zu Guttenberg beschäftigt weiterhin die hiesige Presse. Auch auf der anderen Seite der Oder wird über die Plagiatsaffäre diskutiert. Auch wenn die Stimmen hinter der Grenze nicht so zahlreich sind wie hier, so ist der Tonfall genauso leidenschaftlich. Anfangs wurde die Debatte in Polen durch die Frage dominiert, ob der Vorfall zum Sturz oder zumindest zur Schwächung des beliebten Politikers führen wird. So schrieb eine der größten polnischen Zeitungen "Rzeczpospolita" am 21.02.2011, dass die aktuellen Probleme des Verteidigungsministers der Kanzlerin dabei helfen könnten, einen der größten Rivalen im eigenen Lager zu disqualifizieren. Merkel brauche keine Angst mehr zu haben vor CDU-Freiherren aus Hessen, Niedersachsen oder Baden-Württemberg, schrieb "Rzeczpospolita". Gemeint sind der zurückgetretene Ronald Koch und der von Merkel zum Bundespräsidenten quasi weggelobte Christian Wulff. Für einen kurzen Augenblick sah man ebenso die Stunden des wahren Freiherren Karl-Theodor zu Guttenberg gezählt. Aber schon drei Tage später musste die Zeitung ihren Standpunkt korrigieren. "Minister zu Guttenberg beliebt auch ohne Titel. Die Popularität des Chefs des Verteidigungsministeriums wächst in Folge der Plagiatsaffäre." Dieser Tenor dominiert inzwischen in der gesamten polnischen Presse. "Guttenberg erfreut sich des Vertrauens der Deutschen trotz des Plagiats" (Polskatimes). "Guttenberg soll im Amt trotz des Plagiats in seiner Doktorarbeit bleiben" (Wprost). Solche Beispiele lassen sich beliebig mehren. Die Betonung liegt auf "trotz".
Die unerwartete Wendung im Hinblick auf die Folgen der Affäre mag in Polen nicht nur für Überraschung, sondern auch für Enttäuschung sorgen. Nicht ohne Grund hat der Publizist und Journalist Piotr Semka fast vor zwei Wochen, also zum Zeitpunkt als die positiven Umfragewerte aus Deutschland noch nicht bekannt waren, zu diesem Thema geschrieben: "In Deutschland, wo die öffentliche Mentalität sehr stark durch den Protestantismus geprägt ist, wird der Lügenvorwurf sehr ernst genommen. Für einen führenden Politiker der Regierung kann dieser Vorwurf tödlich sein." In seinem Artikel deutete Semka das Ende der Guttenberg-Ära in Folge der Aufdeckung des Plagiats an. Der Beitrag rief damals eine Welle von Kommentaren hervor. Einige polnische Leser wiesen selbstkritisch auf die Vorbildfunktion des westlichen Nachbars hin, was den Umgang mit solchen Schwindeleien unter Politkern betrifft. Wie gesagt, damals ging man in Polen noch davon aus, dass die Plagiat-Affäre, wenn nicht zwingend Guttenbergs Ende, so zumindest seine Schwächung bedeuten wird. Inzwischen sind die Meinungsumfragen auch in Polen bekannt. Mancher hinter der Oder mag darüber enttäuscht sein, wie großzügig das deutsche Volk mit dem "Lügenbaron" (Zeit online) umgeht. Manch anderer wird beruhigt schlafen können im Bewusstsein, dass Katholiken und Protestanten offensichtlich mehr vereint, als man ursprünglich vermutet hat.
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28.02.2011.

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