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Es sah doch so schön aus!
I am not convinced - möchte man sagen, wenn man die öffentliche Debatte um Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit der Doktorarbeit des Freiherren zu Guttenberg verfolgt. I am not convinced, und zwar unabhängig davon, ob auch dieser Satz nicht nur ein Plagiat, eine Gedankenwiederholung eines anderen Politikers sei. Herr Fischer wird es wohl ertragen müssen, dass man ihn zitiert, ohne sich mit dem Inhalt seines Buches überhaupt auseinandergesetzt zu haben. Es sei so üblich hier zu Lande, Herr Fischer. Gerade in Politikerkreisen.
Die Bildzeitung hat es inzwischen offiziell gemacht. 87% der Bild-Leser haben pro Guttenberg gestimmt. Und die Masse ist Macht, wie Elias Canetti ganz richtig festgestellt hat. Auch der Kanzlerin ist dieses Faktum kurz nach dem Ausbruch der ganzen Affäre aufgefallen. Leider ohne diesen kritischen Unterton, der für Canettis Arbeit so charakteristisch ist. Volle Rückendeckung für Theodor! Angesichts seiner Eigenschaft als ausgezeichneter Politiker muss man wohl als promovierte Physikerin ab und zu ein Auge bei solch irrelevanten Eigenschaften wie wissenschaftliche Unseriosität und persönliche Unzulänglichkeit zudrücken. Wie schade, dass die Promotionskommission der Universität Bayreuth diese Meinung nicht geteilt hat. So schön sah es in der Adresszeile aus: Freiherr Dr. zu Guttenberg. Und wo kommt da das "Karl-Theodor" überhaupt noch rein? "Richtig und logisch" (bitte auf die Anführungszeichen achten!) hat Frau Merkel die Entscheidung der Promotionskommission über die Aberkennung der Doktorwürde genannt. Diese plötzliche Sachlichkeit der Kanzlerin kommt einem angesichts der früheren eher symbolischen Haltung zumindest etwas verwirrend vor. Aber was soll es. Es sah doch so schön aus!
Wer zu Guttenberg persönlich erlebt hat, der weiß, was für ein toller Redner und ein charmanter Gesprächspartner er sein kann. Wie salopp und nebenbei er in scheinbar selbstkritischen Sätzen für sich werben kann. Er witzelt über sein schlechtes Klavierspiel, über seine persönlichen Schwächen, über seine menschliche Unzulänglichkeit. Jetzt kann er einen neuen Witz erzählen. Über seine Doktorarbeit, die gar keine war. Wer zu Guttenberg persönlich erlebt hat, der ist zerrissen. Er schwankt hin und her zwischen der Frage, ob dieser Mensch tatsächlich ein netter, galanter und kultivierter Menschenfreund oder ein selbstinszenierter Polit-Profi sei. Aber vielleicht ist das der springende Punkt. Vielleicht bietet die Guttenberg-Affäre ungeachtet der ganzen strategischen Beschuldigungen von politischen Gegnern und vagen Zustimmungen einer Masse, die für wissenschaftliche Leistungen ohnehin nichts mehr übrig hat, zumindest eine klare Antwort. Die Antwort auf die Frage, wie viel Sein und wie viel Schein den Politiker zu Guttenberg ausmacht. Es sah doch so schön aus!
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24.02.2011.

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