Buch
■ Übersetzungsbüro Dr. Karolina Brock ■ Tel.: 030-39502142 ■ Mobil: 0179-1417925 ■

Ost_Blog

Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zu verschiedenen Themen aus Berlin und Polen.

Atomkraftwerke in Polen - eine unsichere Sache?
Die Atomkatastrophe in Japan hat weltweit dazu geführt, dass viele Länder ihre eigene Energiepolitik hektisch umgestalten. Deutschland hat letzte Woche kurzfristig beschlossen, die ältesten Meiler vom Netz zu nehmen. In Frankreich, dem europäischen Kernkraftwerkparadies schlechthin, regt sich ebenfalls der Widerstand. Auch in Polen werden kritische Stimmen zu diesem Thema immer lauter. Abgesehen von dem wissenschaftlich genutzten Reaktor Maria besitzt Polen zur Zeit keine eigenen Atomkraftwerke. Seit 2005 wird der Bau solcher Anlagen allerdings geplant. Das erste Atomkraftwerk soll bis zum Jahr 2020 in Zarnowiec im Norden des Landes entstehen. Auf einer Liste von 28 möglichen Standorten befindet sich Zarnowiec an erster Stelle.
Noch letzte Woche hat Warschau betont, dass die Katastrophe in Japan keinen Einfluss auf die Pläne der polnischen Regierung haben werde. In seltener Einstimmigkeit haben polnische Politiker wiederholt, dass in unseren Breitengraden weder Erdbeben noch Tsunamis zu befürchten seien. Außerdem sollen in Polen nur die modernsten und damit sichersten AKW gebaut werden. Die aus Berlin und Brandenburg an Polen gerichtete Bitte, den geplanten Bau mehrerer Kernkraftwerke zu stoppen, hat Polen kurzerhand zurückgewiesen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte hierzu, dass ihm diese Anfragen unangebracht erschienen, da ein Land, das selbst wohl "in etwa sechzehn Atomkraftwerke besitzt, sich keinen Kopf über Polens Pläne zerbrechen soll". Ohnehin scheint Tusk ein vehementer Befürworter der Atomenergie zu sein. Kurz nach der Tragödie in Japan sagte er voller Vertrauen, man solle sich jetzt nicht durch Emotionen leiten lassen, das Beispiel Japan zeige, wie sicher Atomkraftwerke seien. In Anbetracht der dramatischen Entwicklung in Fukushima, die Tusks Worte in einem beinah grotesken Licht erscheinen lässt, müsste der polnische Regierungschef seine Aussage eigentlich korrigieren. Diesen Eindruck hatte man, als Tusk vor wenigen Tagen von einem nationalen Referendum zu diesem Thema gesprochen hat. "Ohne Akzeptanz der Gesellschaft ergeben solche Pläne keinen Sinn" - sagte er. Die Umfragen in Polen sprechen allerdings keine klare Sprache. Manche Quellen geben an, 60% aller Polen seien gegen die Atomenergie (Newsweek Polska). Laut anderer Umfragen sind es nur 30% (PBS DGA). PBS DGA kommt sogar zu dem Ergebnis, das Land sei in dieser Hinsicht zweigeteilt. Demnach seien 30% aller Polen nach wie vor für den Bau der Atomkraftwerke in ihrem Land. 10% der Befragten hatten keine Meinung zu diesem Thema und 28% sprachen sich für eine erneute Sicherheitsüberprüfung des Vorhabens aus.
Vor welchem Dilemma das Land steht, wird eigentlich erst dann deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass Polen seine Energie derzeit zu 90% aus Kohle gewinnt. Es handelt sich dabei oft um veraltete Kohlekraftwerke, die weder modernen Ökologiestandards noch wachsenden Bedürfnissen des Landes Stand halten können. Es mag auch der Grund sein, warum Warschau so sehr an seinen Plänen, Atomkraftwerke zu bauen, festhält. In einem neulich gegebenen Interview betonte Tusk, dass er keinesfalls ein Referendum pro oder contra AKW in die Wege leiten werde: "Jeder, der sich diese Art der Energie leisten kann, investiert in sie. Deshalb kann Polen nicht ein Ort bleiben, der ausschließlich Energie einkauft. Wir müssen zu einem Land werden, das Energie produziert."
Zurück

26.03.2011.

■ Hans-Otto-Str. 25 ■ 10407 Berlin ■ info@polnischuebersetzerin.de ■