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Ost_Blog
Auf dieser Seite finden Sie Beiträge zu verschiedenen Themen aus Berlin und Polen.
2:2 oder der Abschied von der Ewigkeit
Das Remis im gestrigen Spiel Polen gegen Deutschland mag für manche Fans ein
Grund zur Enttäuschung sein. Andere werden nach strategischen Ursachen suchen und sich
in technischen Analysen verlieren. Viel Spaß werden bestimmt diejenigen haben, die die ganze
Sache aus der geschichtlichen Perspektive betrachten oder die Statistik nach deutsch-polnischen
Siegen und Niederlagen chronologisch befragen. (Übrigens stimmt es wirklich, dass Polen gegen Deutschland
seit 31 Jahren bis GESTERN kein einziges Tor geschossen hat?) Manche Fans werden von auf beiden Seiten
verschenkten Chancen sprechen und noch andere, wie der polnische Sportjournalist Stefan Szczeplek, sich
über das 2:2 einfach freuen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Szczepleks Freude ist eher existenzieller
Natur. "Cacau hat mich gerettet" schreibt Szczeplek heute für die Zeitung Rzeczpospolita und erinnert daran,
dass er selbst mal aus Spaß behauptet habe, er werde so lange nicht sterben, bis Polen gegen
Deutschland im Fußball gewonnen habe. Daraufhin haben skeptische Zungen geantwortet, er werde der erste
Fall von Unsterblichkeit sein. Um ein Haar wäre es gestern dahin mit der Ewigkeit.
Was für ein Glück, Cacau sei Dank!
Generell herrscht in Polen nach dem Spiel eine humoristisch-erhabene Verliererstimmung, einen
historischen Sieg so knapp verpasst zu haben. Man ist schon ein wenig frustriert angesichts
der Tatsache, dass es in der letzten Minute zum Sieg doch nicht gereicht hat.
Zugleich tröstet man sich damit, dass man
gegen eine der stärksten Mannschaften der Welt immerhin nicht verloren hat und dass die
Pechsträhne des polnischen Teams nach so vielen Jahren, ja sogar Jahrzehnten,
offensichtlich zu Ende sei. Vor diesem Hintergrund ist man mit dem Unentschieden
doch zufrieden, obwohl selbstverständlich der Verlauf des gesamten Spiels, in dem die
Aussicht auf einen Sieg "so nah und doch so fern" (Rzeczpospolita) war, die Freude
über das Remis deutlich gedämpft hat. Die Leistung der eigenen Mannschaft wird
in Polen insgesamt positiv bewertet. Der Star des Abends, der polnische Torhüter
Wojciech Szczesny, bemerkte im Nachhinein nicht ganz falsch, dass es vielleicht den
Polen an Technik fehle, "aber wir holen es mit unseren Herzen nach". Und Arkadiusz Glowacki,
der den deutschen Ausgleich 1:1 mit seinem Foul mehr oder weniger zu verantworten hat, wird in der
polnischen Presse ganz im schillerschen Sinne als "tragischer Held" bezeichnet. Das unauflösbare
Dilemma "foulen oder nicht foulen" führte in seinem Fall wenig später zu einem endgültigen Platzverweis.
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7.09.2011.
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